Krafttraining im Winter muss sein. Jedenfalls wenn man sich durch Foren und Magazinbeiträge blättert. Oder wenn ich die Anfragen durchgehe, die mich momentan fast täglich erreichen. Vor knapp 10-15 Jahren sah das noch anders aus. Krattraining sei die reinste Zeitverschwendung. Mittlerweile sind wir klüger un^d neben der allgegenwärtigen Rumpfkraft wird auch Training mit Zusatzgewicht empfohlen. Unter Anderem Squats, Deadlifts und andere funktionelle Übungen. Aber was stimmt denn? Lieber wenig Wiederholungen mit viel Gewicht? Oder viel mit wenig Gewicht?

Wir werden alle nicht jünger

Wie bei allem, was wir im Training machen, sollte sich die Frage nach dem warum stellen und die Frage für wen wir das machen. Wie sind die Stärken und Schwächen verteilt? Bei einer VO2max von 32 ml/min/kg hat ein Krafttraining nicht die oberste Priorität. Ebenso wenn für das wöchentliche Training nur 4 Stunden zur Verfügung stehen. Wenn ihr, wie die meisten Leser des Blogs, zwischen 27 und 63 seit und der Zielfokus nicht unbedingt auf den internationalen Rennzirkus abzielt, dann lohnt es sich weiter zu lesen…

Krafttraining erhält Muskelmasse

So einfach ist das. Oder anders gesagt, wird es ohne spezifisches Krafttraining nahezu unmöglich weiter Kraft aufzubauen oder zu erhalten. Ab 40 verlangsamt sich nicht nur der Stoffwechsel, sondern wir verlieren auch Muskelmasse. Das hat verschiedene Ursachen: Viele bewegen sich schlicht weniger, je älter sie werden. Dazu kommt eine hormonelle Umstellung, usw. Weniger aktiv ist dabei relativ und persönlich zu sehen: Du bist als Velofahrer sicherlich aktiver als Andere. Aber verglichen mit deinem Lebensweg sehr wahrscheinlich weniger aktiv als damals, in der guten alten Zeit, als du noch 20 warst…

Krafttraining als Koordinationstraining

Ein Aspekt, der nicht vergessen werden darf, ist der koordinative Aspekt von Krafttraining. Vor Allem Freihantel – und funktionelle Übungen fördern die intermuskuläre koordination. Also das Zusammenspiel von kleinen und grossen Muskeln, die Bewegungen ausgleichen und balancieren müssen. Damit verbessert sich die sog. Propriozeption, also das Eigenempfinden oder Bewusstsein für den Körper. Anders formuliert: welche Position nimmt mein Fuss gerade ein? Verbessert wird auch das Bewusstsein über Bewegungsmuster (Kinästhetik). Im Endeffekt ist das nichts Anderes als eine Verletzungsprophylaxe. Je besser das Zusammenspiel von Muskeln, desto weniger wahrascheinlich sind Verletzungen.

Krafttraining hält flexibel

Velofahrer sind super trainiert. Fürs Velo fahren. Das aerobe System ist gut trainiert (im besten Fall), aber das Muskuloskelettale System häufig nicht. Jedenfalls für nichts abseits des Velos. Das liegt daran, dass auf dem Velo eine unterstütze SItzposition eingenommen wird. Das tragende System wird aber vernachlässigt. Vor Allem der Oberkörper. Wenn aber nur wenig Zeit für das Training zur Verfügung steht, ist zum Beispiel laufen eine denkbare Alternative. Und manchmal ist es besser etwas zu machen, als nichts zu machen.

Macht Krafttraining beim Velo fahren wirklich schneller?

Nicht direkt. Es sei denn Sprinter oder Bahnfahrer. Obwohl zum Beispiel bei Squats die gleichen Muskeln aktiviert werden wie bei der Druckphase, ist das Bewegungsmuster doch anders. Das Bein bewegt sich langsamer als bei einer 90er Kadenz. ABER: Krafttraining macht euch zu kompletteren Athleten. Es eröffnet mehr Trainingsmöglichkeiten, schützt vor Verletzungen und hält euch damit im Spiel. Das bedeutet, ihr könnt mit einer höheren Konstanz trainieren und damit den Trainingsinput erhöhen. Und das macht schneller!